Spezial: Dragonball Super – Dilemma um Design & Animation

Heute geht es um eine Serie, die jeder kennt und mitbekommen hat: Dragonball Super. Allerdings hat die Serie nicht gerade einen Ruhmreichen Start hingelegt. Warum das so ist, und wer hinter der Serie steckt, wollen wir euch heute näher bringen.

Kleine Randinformation – Sehr wichtig!

In diesem Beitrag geht es ausschließlich nur um die bisher veröffentlichte Episoden von Dragonball Super in Deutschland, erfahrungsmäßig allerdings reicht unser Beitrag allerdings auch bis zur aktuellen DBS-Folge. Aus Spoiler-Gründen haben wir die Ausschnitte einem Spoiler-Tag versehen. Um die Ausschnitte sehen zu können, braucht ihr einfach nur auf das “Plus-Zeichen” zu klicken!

Dragonball Super – Krawall um die Animation

Nur die wenigsten können sich wahrscheinlich daran erinnern, als auf der Anime-Zeitschrift “Mega Hiro” (Oh ja, die Informationsquelle Nummer 1 für Animes von vor ca. 10 Jahren und Yu-Gi-Oh jedesmal als Hauptthema hatte!) bereits die Rede war, dass an einer Fortsetzung von Dragonball Z gearbeitet werden könnte. Jahrelang war es allerdings still um das Franchise, als dann doch noch nach dem eher “Recht als Schlecht” und nicht Canonisierten Dragonball GT und dem Dragonball Z-Recut Dragonball Kai die wahre Fortsetzung erschien: Dragonball Super. Nach einer riesigen Werbekampagne, in der auch zwei neue Filme (Kampf der Götter, Resurrection F) die Serie praktisch promoted wurde, freuten sich Millionen Fans auf die neue und kommende Serie. Pure Nostalgie!

Nach also einer sehr erfolgreichen ersten Episode, in der die alten Nostalgie-Gefühle wieder hoch kamen, schlug sich das mit einem einzigen Schlag um, als würde aus heiterem Himmel die Fanbase von einer Tsunami-Welle getroffen werden, die für die Ausrottung der Dinosaurier verantwortlich war. Denn bereits nach der ersten “Kampfszene”, also bereits in der 5. Episode, sorgte Dragonball Super nicht mehr für pure Nostalgie und Spannung, sondern für den Gag des Jahrhunderts.

Was ist geschehen? Dragonball-Fans, die sich regelmäßig informieren und in diversen DB-Foren unterwegs sind, dürften das also mitbekommen haben. Die riesige Empörung kommt von der zweifelhaften Animation, die alles an Vorfreude für die neue Serie zu nichte machte. Die schlechte Animation der Kampfszenen sorgte bereits auch in der Internationalen (Otaku-)Presse für lauten Unmut.

Bei einem Kurz-Interview mit dem Produzenten Norihiro Hayashida beschwerte er sich, dass die gesamte Serie auf lediglich einzelne Szenen herunter reduziert wurde und es nicht gerecht ist. Zwar hat er selbstverständlich Recht, aber für die Traditionsreichen und Actiongeladenen kämpfen, wie man es von Dragonball Z gewohnt war, hat er damit die Fanbase nicht besänftigt.

Offenbar ging es also bereits soweit, dass auch das Management von Toei Animation entschied, die japanische Release-Version der Bluray-DVD leicht zu überarbeiten. So verpasste man den meisten Szenen aus der Episode einen sogenannten “Motion-Blur-Effekt”. Es handelt sich hierbei um eine simulierte Bewegungsunschärfe. Diese kommt oft in Action-Geladenen oder schnellen Szenen zum Einsatz. Im negativen Sinne werden diese aber auch in der Filmbranche eingesetzt, um unschöne oder “unechte” Details zu retuschieren. Eine übermäßige Nutzung dieser kann dafür sorgen, dass die Szenen nicht mehr so ganz authentisch wirkt. Ebenso leicht überarbeitet wurden die Proportionen und Blickwinkel der Protagonisten, sowie einige kleinere Details (mehr Details am Gesicht) wurden hinzugefügt. Genug war das allerdings nicht, da ein Remake dieser Episode eher vorzuziehen gewesen wäre.

Akira Toriyama, der Schöpfer von Dragonball – zeigte sich ebenso wenig begeistert von dem Animationsstil und war darüber ebenso sehr verärgert.

Die Frage, die im Raum steht ist natürlich: Warum ist das so? Inzwischen ist laut Insider wohl bekannt, dass an der Serie sehr junge Fachkräfte arbeiten, die noch keine große Erfahrung mit solchen Projekten hatten. Die Antwort wäre aber auch viel zu einfach, als dass sie uns zufrieden stellen würde. Denn überraschenderweise gibt es dann auch doch wieder Folgen, in der die Animation ganz anders aussehen und eine “Kino-Qualität” vorweisen, wie etwa Folge 48 – und im nächsten Moment bei Folge 50 die Animationsqualität wieder etwas dürftiger erscheint – obwohl viele bekannte und erfahrene Animatoren an der Serie arbeiten. Wir gehen nun etwas ins Detail.

Das Produktionsteam hinter Dragonball Super

 

Einigen wird sicher bekannt sein, dass es nicht ein Team gibt, die an allen Episoden zugleich arbeiten – sondern dass es in den Animationsstudios verschiedene Teams gibt. Arbeitet beispielsweise Team A an Folge 1, wird zugleich auch von Team B an Folge 2 und Team C an Folge 3 gearbeitet. Ist Team A mit der ersten Episode fertig, macht sie daraufhin mit der 4. Episode weiter.

Der Aufbau eines Produktionsteam hört sich in der Tat etwas komplex an. Neben den gewöhnlichen Animatoren, arbeiten an einem Projekt auch sogenannte “Key Animator”, die über den Animatoren stehen und auch Jüngeren Animatoren zur Hilfe stehen. In der Regel arbeiten Key-Animator allerdings mit dem jeweiligen Verantwortlichen, wie etwa dem Supervisior, welche die Arbeiten kontrollieren und korrigieren. Da jede Episode nochmal unterschiedliche Supervisior haben, gibt es anschließend auch den sogenannten Chief Animation Supervisior, der die fertigen Korrekturen und Episoden der Supervisior nochmals unter die Lupe nimmt, bevor diese tatsächlich ausgestrahlt werden. Dieser enorme Aufwand ist in der heutigen Zeit völlig normal.

Nun hat man allerdings folgendes Problem. Die einzelne Personen besitzen selbstverständlich ihren eigenen Zeichenstil und eine eigene Vorstellung von der Animation. Andere haben wiederum keine große Erfahrung mit derartigen Projekten vorzuweisen, so dass die Animation eine ganz anderer ist. Das Charakterdesign sieht dann auch anders aus – mal detaillierter, mal mit einem runderen Kopf, mal komplett vom eigentlichen Konzept produziert.

Ein Kurzüberblick, wie das ganze schließlich aussieht:

© animeajay/Twitter

 

Ungewöhnliche Körper, fehlende Proportionen, riesige Augen

Wie man also heraus lesen kann, schwächelt Dragonball Super nicht nur bei den Kampfszenen, sondern auch bei völlig normalen Episoden. Die Charaktere haben einen ungewöhnlichen Touch und unterscheiden sich oft von Folge zu Folge. Kommen hier noch Kampfszenen hinzu (Anschauliches Beispiel weiter unten), kann man schon fast von Russisch-Roulette sprechen, welche der Personen die Episode übernehmen wird. Dabei kommen meistens auch bei gewöhnlichen Charakteren und Designs diese fragwürdigen Entscheidungen raus.

 

Anmerkung: Dragonball Super Potenzial durch Digitalisierung Vs. Z

Viele sprechen davon, dass die Animation in Dragonball Z wesentlich “schöner” war. Doch halt! Animation? Die war in DBZ in der Tat nur geringfügig vorhanden. Wenn ihr euch nachfolgende Szenen anschauen solltet, werdet ihr einen Unterschied zwischen der eigentlichen DBS-Serie und der Nostalgie-Serie Dragonball Z bemerken. Besonders die Tatsache, vergleicht man diverse Dragonball Super-Animationen mit denen von Dragonball Z ist es offensichtlich, dass die neue Serie von der Digitalisierung profitiert, das heißt: Höhere Farbraum-Wiedergabe, höhere Auflösung und der bessere Animationsfluss.

DBZ vs. Dragonball Super

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In Dragonball Z von “Animation” zu sprechen ist sehr schwierig. Einzelne Frames wiederholen sich auf diese Art und Weise.  Arbeit, Zeit und Geld wird dadurch gespart – abgesehen von den beschränkten Möglichkeiten, die man als Animator damals ohnehin hatte. Durch die Dragonball Super – Serie wird der Begriff “Animation” erst wirklich “richtig”. Der Aufwand ist wesentlich enormer, auch wenn manche Arbeiten womöglich im Vergleich zu damals entfallen könnten.

Sich immer wiederholende Framerates, was in Dragonball Z relativ üblich war, ist weniger eine “gelungene Animation” sondern mehr ein fehlendes Nostalgie-Gefühl zu Dragonball Super. Die Möglichkeiten allerdings, wie die oben gezeigten Szenen oder in den beiden Dragonball Z-Filmen “Kampf der Götter” und “Resurrection F”, bringt die Serie auf ein ganz neues Level, von dem niemand abgeneigt ist.

 

Dragonball Super – Je mehr Zeit, desto höher die Qualität

Wir haben hierzu für euch zwei Szenen ausgesucht, in der diese extremen Unterschiede nochmals deutlich gemacht werden. Episode 48 stammt von Supervisior Masahiro Shimanuki, wenn auch die Kampfszene wiederum vom Key-Animator Futoshi Higashide stammt. Anders als die früheren Episoden, wurde auch hier wesentlich mehr Zeit in die Entwicklung gesteckt. Das Ergebnis kann sich also sehen lassen.

Episode 48 - Kampfszene

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Bei den nachfolgenden Szenen handelt es sich um die fertige Arbeit von Naoki Tate, der in einzelnen Episoden von Dragonball Z und GT involviert gewesen war. Er stieg relativ rasch auf und die 5. Episode ist seine erste Arbeit als Supervisor. Rasch hatte er jedoch die komplette Fanbase auf sich gehetzt – da die Kampfszenen zwischen Goku und Beerus in der 5. Episode laut vieler Fans und Presse katastrophal aussah. Die Begründung überraschte im Angesicht der Tatsache, dass es der Industrie eher schlecht als recht geht, wenig: Als Supervisor war er praktisch für die Episode fast alleine zuständig. Einen Key-Animator hatte er zur Unterstützung nicht dabei. Dass der Faktor “Zeit” und die viel zu frühe Veröffentlichung von Dragonball Super eine noch größere Rolle bei dem Ergebnis gespielt hat, sollte nun klar sein.

Episode 5 - Kampfszene

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Je mehr Zeit, desto besser die Ergebnisse

Selbst wenn berühmte Persönlichkeiten oder zumindest Personen mit weitreichender Erfahrung an einzelnen Episoden arbeiten – heißt es nicht immer dass hier ein qualitatives Ergebnis dabei raus kommt. Denn je länger bestimmte Produzenten an Folgen arbeiten, desto eher profitiert auch die Folge von zusätzlichen Effekten und einem gewissen Detailgrad. Um die hohe Qualität zu wahren, arbeiten manche an einer einzigen Folge von DBS bis zu 7 Wochen. Stimmt also der Zeitplan, kann durchaus etwas Ordentliches bei raus kommen.

Da in Japan allerdings die Folgen einmal Wöchentlich erscheinen, kann dies mit dem richtigen Zeitmanagement und der passenden Arbeitsaufteilung auch gewährleistet werden – auch wenn das nicht immer der Fall ist. Denn während der eine Verantwortliche an einer weiteren Episode von Dragonball Super arbeitet – arbeitet er zugleich auch an anderen Episoden anderer Projekte. Eine dauerhafte Überlastung und Überforderung findet statt, die zu keinen guten Ergebnis führt. So laut Thomas Romain, der diese Probleme genau aufführt.

Inzwischen sollte sich Dragonball Super allerdings gut sehen lassen können. Denn je länger die Verantwortlichen an der Serie arbeiten, desto erfahrener und auch detaillierter werden die Episoden. Die klassische “DBZ-Nostalgie” kann also langsam kommen. Eines wird allerdings feststehen: Eine solche Katastrophe wie in Episode 5 wird definitiv nicht mehr stattfinden – im Gegenteil. Mit der stetig wachsenden Erfahrung der Animatoren wird die Animation immer besser. Sofern sie auch genug Zeit bekommen.

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen, Details und die Art und Weise, wie einzelne Verantwortliche an ihren Episoden (Stil der Proportionen, Gesichtsdetails, Effekte) arbeiten, könnt ihr in Ajays Thread auf kanzenshuu.com finden! Der User Ajay hat hier viele Informationen über die einzelnen Supervisor und Animatoren gesammelt – ihren bevorzugten Zeichenstil und auch zu jeder Person ein History-Video gedreht. Wir empfehlen euch, einfach mal einen Blick rein zuwerfen und zu schauen, welche Personen denn überhaupt im Produktionsteam von Dragonball Super arbeiten!

Die Unterschiede sind also eindeutig. Möchte man weiterhin ein schwarzes Schaf haben, könnte man sich an dieser Stelle fragen, ob die frühe Ankündigung und Veröffentlichung von Dragonball Super tatsächlich eine so gute Idee war. Aus Zeitmangel entstehen diese Fehler und Patzer, die eigentlich nicht passieren sollten – oder es fehlen schlicht und ergreifend Personen, welche die Hauptkorrektur einer Episode vornehmen (wie in Episode 5). Die Serie an sich ist immerhin nicht schlecht, auch wenn sie auf einmal einen Score von einer eher durchschnittlichen 7,49 erreicht. Aber die Aussage, dass die Serie auf die schlechte “Animation” herunter reduziert wird, ist richtig. Dragonball Super ist eine gelungene Fortsetzung mit kleineren Schwächen und katastrophalem Start, welche sich nicht wiederholen sollten (man beachte die Qualität der aktuelleren Episoden).

 

Randnotiz: Wo ist Tadayoshi Yamamuro?

Unter den Hardcore-Fans ist der Name sicherlich ein Begriff: Tadayoshi Yamamuro gehört zu den bekanntesten Animatoren und Supervisors im Dragonball-Franchise. Für all jene, die ihn nicht kennen, folgt eine kurze Erklärung. Viele der Designs und Konzepte sind von Yamamuro. Involviert war er in Dragonball Z von Anfang an, und wurde später zum Supervisor befördert. Auch in GT und fast allen DB-Filmen, war er als Hauptverantwortlicher tätig. Heutige modernere Charakterdesigns entsprangen also aus seiner Hand – darunter auch die von Dragonball Super.

Gerade weil er für das Dragonball-Franchise so wichtig ist, stellen sich Fans die Frage, warum der wohl wichtigste Mann von Dragonball hinsichtlich Charakterdesign und Animation nicht dabei ist? Laut Kanzenshuu war er zwar als Supervisor in Episode 13 dabei und übernahm noch als Key Animator die Episoden 19 und 39. Mehr ist von ihm allerdings nicht zu sehen. Eine genaue Erklärung, weshalb Dragonballs wohl wahrscheinlich wichtigster Mann hinsichtlich Design nicht oder nur in extrem geringfügigen Maßen dabei ist, steht bis heute noch aus.

 

 

© Dragonball Super | Toei Animation

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