Insider: Probleme in der Anime-Industrie

Teil 1 der Reihe “Anime-Industrie”

Der Job eines Creators ist nicht gerade einfach. Man steht unter Zeitdruck, es dürfen auch keine Fehler passieren. Das Gerücht, dass Animatoren viel Geld verdienen, scheint inzwischen verflogen zu sein. Tatsächlich haben es die Mitarbeiter der Studios sehr schwer und müssen an allen Ecken sparen.

Vor einiger Zeit gab es bei der Veröffentlichung von “Dragonball Super” sehr viel Kritik hinsichtlich der Animation. Die Studios stellen lediglich noch Freelancer ein, hieß es kurzgefasst in der Stellungsnahme eines Insider und viele sind dazu noch sehr unerfahren wenn es um Grafiken geht. So schleichen sich sogar große Patzer ein. Hier ein weiterführender Artikel dazu.

Da Animes überall auf der Welt beliebt sind, scheint die Nachfrage trotzdem in die Höhe zu schießen. Nun wurde kürzlich erst bekannt gegeben, dass Attack on Titan nicht wie bisher aus 26 Episoden besteht, sondern nur noch aus 12 Episoden. Aber warum ist das so?

Thomas Romain, ein Animator, hat über Twitter einige Fragen beantwortet und auch die Begründung dazu geliefert.

Die Entscheidung, dass Attack on Titan nur aus 12 Episoden bestehen soll, kam von der hohen Nachfrage nach Animes allgemein zustande. Die allgemeine Situation lassen viele Animatoren zweifeln. Es herrscht also allgemein Personalmangel.

Gehen wir nun etwas tiefer in die Details. “Es ist heut zu tage nahezu unmöglich, einen Qualitäts-Anime mit mehreren Episoden zu produzieren” so Thomas Rain. Weiter veröffentlichte er eine Grafik, in der welcher man sehen kann, dass in der heutigen Zeit mehr Animes produziert werden als noch vor 15 Jahren. Konkret sind es heute fast dreimal so viele.

Neben-Fakt: Animes mit nur 12 Episoden sollen immer nur eine Season abdecken. Anime-Produktionen mit 24 Folgen sind Kosten- und risikointensiver. Es gab schon öfters Animes, für die ursprünglich eine längere Dauer geplant war. Tokko war einer dieser Animes, der mit 26 Episoden geplant, aber bei 13 abgebrochen wurde.

Dies geht sehr zum Nachteil der Produzenten und Animatoren. Fans warten beispielsweise 4 Jahre lang auf die Fortsetzung von Attack on Titan. Die Dauert der Produktion beträgt schlicht und ergreifend nur einige Monate. Doch wo kein Personal – da auch kein Anime.

Nicht nur das: Leute mit den richtigen Qualifikationen werden gesucht. Nicht jeder ist bereit, in einem Animationsstudio zu arbeiten. Die Bezahlung ist sehr schlecht und dies obwohl sie mehr arbeiten, als wir es hier kennen. Zwar richtet sich die Bezahlung nach der Qualifikation, doch viel mehr verdienen die Mitarbeiter leider dadurch auch nicht. Was noch dazu kommt ist, dass viele Schulen in Japan eben wegen der geringen Nachfrage schließen. Die Ausbildung ist langwierig und die Arbeit wird bis heute noch von Hand getätigt.

Nun geht es soweit, dass die Produzenten bereits anfangen auch außerhalb Japans nach Talenten zu suchen. Jedoch kommen die meisten Animationsstudios (rund 90 %) aus Japan. Es gibt Ausnahmen in Südkorea, wo einige Animationsstudio “im Hintergrund” tätig sind.

Nun, wieviel verdient denn ein Neueinsteiger? Thomas Romain hat auch hierzu eine passende Antwort geliefert.

Für den Einstieg soll man im Schnitt 4 US-Dollar pro Stunde verdienen. Daher möchten wir zusätzlich auf den folgenden Tweet von Ken Arto aufmerksam machen, der das ganze nochmal verdeutlicht:

Angestellte ertragen lange Tage, haben wenig Zeit für sich und müssen dazu noch sparen, um über die Runden zu kommen.

Was also zu sagen bleibt ist, dass Animes generell eine kostspielige Sache sind. Anbieter wie Netflix und Amazon, aber auch Investoren, verlangen nach immer mehr Produktionen. Dies jedoch ohne Rücksicht auf die Personalprobleme.

Auch das Geld, welches für Merchandise und DVDs ausgegeben wird, geht nicht direkt an die Animationsstudios. (Gem. Thomas Romain)

Was können wir nun als Zuschauer und Fan tun? Ein User fragte, ob ein aktives Abo (5 €/Monat) auf Crunchyroll den Animationsstudios zugute kommt. Die Antwort war gar nicht kompliziert:

Crunchyroll gehört laut ihm zu den Publishern, die viel in Anime-Produktionen investieren. Aktiv dabei zu sein, hilft der Anime-Produktion ein Stück. Jedoch können wir uns sicher sein, dass der Kauf über Dienste wie AoD oder DVDs und BDs von bekannten deutschen Publisher ebenso den Grafikern hilft – und er verweist auf eine Gemeinschaft, die sich für Künstler stark macht.

Schließlich gab es noch ein Fazit aus dieser Diskussion, in welcher alle einer Meinung waren:


Quelle: Twitter

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3 Kommentare auf "Insider: Probleme in der Anime-Industrie"

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[…] Theorien nicht immer und überall universell umsetzen. Der Job in der Anime-Industrie wird gemieden. Es fehlt qualifiziertes […]

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[…] die ganzen News-Beiträgen mitbekommen? Wenn nicht, empfehle ich euch wärmstens besonders den ersten und den zweiten Teil unserer Anime-Industrie-Beitragsreihe. Der Inhalt der News an sich ist nicht […]

trackback

[…] dauerhafte Überlastung und Überforderung findet statt, die zu keinen guten Ergebnis führt. So laut Thomas Romain, der diese Probleme genau […]