Anitalk

Die Geschichte des Mangas

Kein anderes Land auf der Welt hat die Kultur so wirksam geprägt wie Japan. Ein Land voller Bräuche, Geschichte und Disziplin. Doch wofür Japan ebenso bekannt ist, dürfte ganz klar sein, Mangas. Sogenannte japanische Comics, welche Millionen von Lesern aus aller Welt, tagtäglich eine Geschichte erzählen und sie prägen. Von Superhelden, Superschurken, vom einfachen Leben in der Schule. Sie erzählen auch Geschichten über Liebe, Freundschaft, Intrigen und nicht wenige identifizieren sich mit ihnen. Das Alter der Leser ist dabei völlig egal. Mangas sind zeitlos. Sie faszinieren Menschen überall auf der Welt.

Dabei handelt es sich bei Mangas um eine der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Japans. Nach Offiziellen Angaben fallen allein 2002 rund 31 % der gesamten Druckerzeugnisse auf Manga-Bücher und -Zeitschriften zurück. Im Vergleich zu Deutschland beträgt der Anteil gerade mal 3 % der produzierten Comics. Doch eine genaue Zahl, wie viele Manga-Bücher denn überhaupt im Umlauf bzw. verkauft worden sind, lässt sich nahezu unmöglich feststellen. Jedes Jahr werden Conventions in Japan abgehalten, in denen Hobby-Mangaka (auch: Manga-Autoren) ihre eigenen Bücher verkaufen. Meist handelt es sich hierbei um eine Fortsetzung eines vorhandenen Buches oder aber um eine völlig neuartige Geschichte. Obwohl zumindest ersteres nicht ganz legal erscheint, werden die Verkäufe von Lizenz-haltern trotzdem toleriert. Doch allein das ist schon Problem genug, um eine genaue Zahl an verkauften Manga-Büchern zu ermitteln. Zumindest Inoffiziell kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die tatsächliche Zahl der verkauften Mangas weit höher ist, als es von Offiziellen Stellen bekannt gegeben wird.

Es ist allerdings wichtig zu unterscheiden, was genau in Japan eigentlich erscheint. Denn der Großteil der veröffentlichten Druckerzeugnisse fallen besonders auf sogenannte “Manga-Magazine”. In solchen werden oft Kurzgeschichten, ganze Kapitel und auch Neuigkeiten rund um Mangas veröffentlicht. Oft erscheinen sie zunächst in diesen Magazinen, bevor diese schließlich als eigenständiges Buch verkauft werden. Diese Manga-Magazine sind oft zwischen 200 und 1000 Seiten lang und monatlich erscheinen rund 250 Magazine. Solche können Kapitel von bis zu 40 verschiedenen Manga-Serien umfassen. Da dürfte es also nicht verwunderlich sein, dass ein sehr großer Teil der Druckerzeugnisse auf jene Bücher und Manga-Magazine fallen. Eines der bekanntesten Manga-Magazine ist das Weekly Shônen Jump, welches seit 1968 in Japan veröffentlicht wird. Zu Spitzenzeiten schaffte man bis zu 6 Millionen verkaufte Weekly-Shonen-Jump-Magazine pro Woche.

Mangas sind mittlerweile so erfolgreich, dass auch Südkorea und China ihre eigenen Mangas kreierten. So wurde für den Südkoreanischen Raum Manhwa, und für den Chinesischen Raum Manhua erschaffen. Besonders Manhwa ließ sich durch die japanische Zeichenkunst inspirieren.

Der Einfluss von Mangas ist besonders in Japan allgegenwärtig. Dutzende Poster und Reklame – zum Teil auch ganze Statuen und Figuren verzieren das Land mit kleinen niedlich-aussehenden japanischer Manga-Helden wie unter Anderem von Dragonball, Naruto, Yugioh oder Fairy Tail – nur um vor allem die bekanntesten aufzuzählen. Das Stadtviertel Akihabara, welches noch vor wenigen Jahren als die Einkaufsmeile für Elektronik-Fans war, zählt heute zu den beliebtesten Orten, an welchem sich Manga-Fans treffen und austauschen können. In vielen Geschäften stapeln sich dabei Unmengen an Merchandise von verschiedenen Manga-Helden.

Doch wie kam es eigentlich jemals dazu, dass sogenannte Mangas heute so ein Ansehen feiern? Wie kam es dazu, dass Japan es geschafft hat, mit so einen einfachen Konzept besonders viele Menschen um die halbe Welt zu beeindrucken?

Mit dem heutigen Beitrag möchten wir euch ein wenig mehr über die Geschichte der Mangas erzählen. Dabei wollen wir auch erläutern, welchen Einfluss diese auf die damalige Gesellschaft hatten – welchen Wandel sie durchlebten – und wer zu den Urvätern gehört.

Der Beitrag fängt mit dem ersten Teil an und setzt sich fließend fort. Wollt ihr zu bestimmten Teilen sofort springen, dann klickt einfach auf eines der Bilder gleich unten. Um wieder nach oben zu gelangen, könnt ihr einfach unten rechts das Pfeilchen anklicken, welches nach oben zeigt. Ansonsten fangt einfach ganz normal an zu lesen. Ein .pdf-Dokument dieses Beitrags wird noch folgen.

Deine Auswahl

Entstehung-Geschichte Manga - Theorien Geschichte Manga - die Einflüsse aus dem Westen Geschichte Manga - die ersten Zeitschriften
Entstehung-Geschichte Manga - Die ersten Entwicklungen Geschichte Manga - Propaganda im zweiten Weltkrieg Nachkriegszeit und
Entstehung-Geschichte Manga - Die ersten Entwicklungen Geschichte Manga - Propaganda im zweiten Weltkrieg

 

Geschichte des Manga - Teil 1 - Erste Schritte

Die Geschichte des Mangas ist nicht so einfach zurückzuverfolgen. Denn selbst bei den oft primitiven Zeichnungen vor Hunderten Jahren, kann man nur schwer davon ausgehen, dass diese zu den “ersten” Vorfahren des Mangas gehören sollen. Doch rangen bei der Geschichte um den ersten Manga eine Vielzahl an Theorien. Wann gab es also die ersten Zeichnungen, die das Grundgerüst des heutigen Mangas bildeten? Sollte es nach Meinungen von Manga-Experten gehen, könnte man weit in die Steinzeit zurückreisen. Doch selbst dann wäre noch gar nicht geklärt, was Mangas überhaupt waren – oder besser – welche Botschaften ein sogenannter “Manga” überhaupt dem Leser überbringen sollte.

Und hierbei beginnt unser Stichwort. Die “Botschaft”, die dem Leser übermittelt werden sollte, ist ein Wesentlicher Bestandteil des Mangas. Was sich zwar wie selbstverständlich anhört, hat allerdings in der Geschichte des Mangas eine ganz besondere Relevanz. Denn bevor der moderne Manga überhaupt entwickelt wurde, prägte eine bestimmte Illustrierte Erzählung die Geschichte Japans, bevor der eigentliche Manga den wir heute kennen schließlich erschien. Diese Illustrierte Erzählung wurde nicht – wie man es eigentlich denken könnte – auf Papier niedergeschrieben oder gezeichnet – sondern an einem Dach des Hōryū-ji, ein buddhistischer Tempel der etwa 600 nach Christus erbaut wurde. Auf diesen “Zeichnungen”, welche man als solche nur schwer bezeichnen konnte, ging es um Spott anderer Personen. Weshalb diese Tatsache oder auch “Botschaft” eine besondere Relevanz für die Geschichte des Mangas beigemessen wird, wird noch im Laufe des heutigen Beitrages klar.

Doch fernab der “Tempel-Theorie”, der Botschaft und mehrere hundert Jahren später – in etwa 1100 nach Christus – treffen wir auf einen hohen Buddhisten-Mönch der Tendai mit dem Namen Kakuyū, der allerdings unter dem Namen Toba Sōjō am ehesten bekannt ist. Geboren ist er im Jahre 1053 und war zur damaligen Zeit ein japanischer Mönch in Kunst. Das er als Urvater des heutigen Mangas gilt, war ihm zu dieser Zeit nicht klar. Doch er gehört zu den ersten Menschen, welcher den Verlauf der Geschichte rund um den Manga prägen wird.

Seine Zeichnungen, die er erstmalig auf Schriftrollen in der Edo-Zeit niedermalte, erlangten eine außerordentliche Popularität. Dabei waren Zeichnung und Stil relativ simpel gehalten. Indem er anthropomorphische Tiere wie etwa Affen, Ratten und Fröschen in unterschiedlichen Posen zeichnete mit dem ursprünglichen Ziel, jene andere Priester auf diese einfache Art und Weise zu verspotten, feierte Toba Sōjō nach dem Verkauf dieser seinen ersten kommerziellen Erfolg. Durch den Erfolg gab es schließlich auch eine Namensgebung für diesen Stil, welcher in der heutigen Geschichtsliteratur rund um den modernen Manga prägen wird. Toba-e (鳥羽絵) sollen seine Zeichnungen heißen.

Japans Bevölkerung fand sich in einer Zeit wieder, in der ein strenger Umgangston herrschte. Durch die Satirischen Karikaturen lenkte es sie von ihrem alltäglichen Leben ab. Die Japaner gaben viel Geld aus, um sich auf unterschiedliche Art und Weise zu unterhalten. Zeichnungen von Landschaften oder andere einfache Bilder waren längst nicht mehr im Trend als im Vergleich zu jenen Toba-e-Werken. Auch zu dieser Zeit wuchsen neue Artisten und Schriftsteller, welche sich unter anderem vom Toba-e-Stil inspirieren ließen. Besondere Popularität erfuhren zu jener Zeit sozialkritische und parodistische Werke. Dadurch kamen viele neue Künstler hinzu. Obwohl diese kritischen Werke ein voller Erfolg waren, wurden diverse Schriftsteller und Artisten wie beispielsweise Santō Kyōden, einem zur damaligen Zeit berühmten Schriftsteller, diverse Bestrafungen der jeweiligen japanischen Regierung unterlegt, um sie dadurch einzuschüchtern.

Dies hielt jedoch nicht davon ab, weitere Toba-e Werke von unterschiedlichen Künstlern auf den Markt zu bringen, da der Nerv der Japaner damit exakt getroffen wurde. Später jedoch wurden diese sogenannten Werke mehr oder weniger problematisch. Denn durch das damalige zustande gekommene feudalistische Japan bannten jegliche Drucke die eine politische Aussage trafen. Aus diesem Grund stieg die Popularität von Karikaturen. Dank einer neuen Technik, dem sogenannten Farbholzschnitt, wurde es nicht nur einfacher Werke in besonders großen Stückzahlen zu produzieren. Durch den neuartigen Stil, wurden Karikaturen in Japan weniger als Satire, sondern mehr als Unterhaltung angesehen. Dennoch gab es auch Fälle, in welchen Artisten für diverse Werke hart bestraft wurden. Utagawa Kuniyoshi wurde durch die neue Methodik des Reproduzierens bekannt, der bis 1861 lebte.

Um den kommerziellen Erfolg weiter voran zu treiben, wurden erste Werke in mehreren Büchern veröffentlicht. Einer dieser bekannten Werke war der 15-Teilige Hokusai Manga von Katsushika Hokusai, welcher in den Jahren zwischen 1814 bis 1878 veröffentlicht wurde. Streng genommen war es eigentlich kein Manga in dem Sinne, sondern eine Sammlung von diversen zusammenhanglosen Zeichnungen und Werken. Doch sie bildete die erste Grundlage der visuellen Darstellungen, wie etwa “Rufe” oder gar “die erste Sprechblase” sowie Trennlinien (Bild rechts) und weitere Symboliken.

Hinzu kamen somit neue Formen von Büchern, die sich Kibyôshi nannten und aus rund 20 Seiten bestanden. Einzelne Seiten waren mit einem Draht verbunden oder konnte man aufklappen. Dieses neue Genre von einem Buch, inspirierte schließlich Westliche Bücher auf eine neue Art und Weise. Hokusai Werke dienten ursprünglich als Handbuch für junge Kunst-Schüler, die auch ihre späteren Zeichnungen schließlich prägen sollten. Seine Werke und Formen galten als die erste “Variante” des heutigen Mangas.

Die japanischen Karikaturen und Bücher waren also ebenso sozialkritisch. Der Urvater des Mangas bestand daraus, diese visuell wiederzugeben. Natürlich sei zwar gesagt, dass die Werke noch nicht die typischen Linien Sprechblasen hatten. Dies war jedoch in Anbetracht dessen, dass der Stil damaliger Zeichnungen heutige Mangas prägen, erst einmal unwichtig. Die sogenannten Trennlinien oder Sprechblasen wie man das aus heutigen Mangas kennt, entwickelten sich erst in einer eher angespannten Zeit und Lage Japans.

Die ersten wirklichen Anfänge kamen jedoch nicht wie ursprünglich gedacht aus Japan selbst. Der Manga, welche wir heute kennen, waren eine Kombination aus zwei völlig unterschiedlichen Zeichenstilen und Methoden. Erst durch den Zusammenfluss beider Stile erschaffte man den ersten Manga, die langsam an die heutigen herankommen. Tatsächlich kam der Einfluss zu den japanischen Zeichnungen nicht aus dem eigenen Land selbst, sondern von einer weit entfernten Insel. Womöglich der Großvater des modernen Mangas – mithilfe dessen der “Manga” erst “perfekt” wurde.

Geschichte des Manga - Teil 2 - Britischen Vorfahren

Japan war alles andere als ein aufgeschlossenes Land. Im Jahr 1530 begann man immer mehr damit, die in Japan lebenden Ausländer einzuschränken und selbst Japaner, die länger im Ausland lebten, den Zutritt zu ihrem eigenen Land zu verweigern. Später schottete sich das Land 250 Jahre lang ab. Der Zutritt zu Japan unterlag Hürden, die es nahezu unmöglich machten und den Internationalen Handel nur auf das Minimum beschränkte. Dies auch nur für ein einziges europäisches Land.

Das ganze änderte sich jedoch, als im Jahre 1853/1854 der sogennante “Vertrag von Kanagawa” (神奈川条約) von Matthew Perry erschaffen wurde. Dieser besagte eine erzwungene Grenzöffnung Japans sowie günstigere Verzollung von US-Amerikanischen Produkten. Bis zu diesem Zwang der Grenzöffnung durfte das Land ein Trauma durchleben und durch ähnliche Verträge, wie etwa die des russischen Kaiserreiches, konnte das ganze nicht besser verarbeitet werden.

Für die “Geschichte des Mangas” dürfte das allerdings von größter Bedeutung sein. Denn im Jahre 1859/1860 reiste ein Mann nach Yokohama, Japan und eröffnete mehrere Unternehmen. Er galt schließlich als der Mann, der den japanischen Zeichenstil übernahm und durch Westliche Verfeinerung die ersten Grundlagen des Modernen Mangas erschuf. Es handelte sich hierbei um den Briten Charles Wirgman, ein junger Mann im mittleren Alter und ursprünglich als Korrespondent und Artist bei der The Illustrated London News eingestellt. Er gilt heute als der Großvater des heutigen Mangas, die späteren japanischen Zeichnungen wurden von Westlichem Einfluss inspiriert. Doch nicht nur das – er galt auch als jene Persönlichkeit, die Westen und Osten auf eine besondere Art und Weise verband, was wir noch feststellen werden.

Einer seiner größten Schachzüge war neben der Gründung seiner Unternehmen, auch die Erschaffung eines neuen Magazines. Die Zeitschrift mit dem Namen Japan Punch, welche die britische Version der Zeitschrift Punch darstellen sollte, war ursprünglich an die in Japan immer weiter wachsenden Anteile an Ausländer gerichtet. Bei dem sogenannten Japan Punch, handelte es sich um ein Satire-Magazin, welches anlässlich diverser Veranstaltungen und Ereignisse in Japan, in Form von Cartoons dargestellt wurden. Es war eigentlich schlicht ein “Klatsch-Magazin mit einer großen Portion Satire”. Jedoch wurde das Magazin immer bekannter – so dass immer mehr Japaner die völlig neuartige, westlich-gehaltene Zeitschrift kauften. Japan Punch wurde so erfolgreich, dass es nicht nur in Japan ein Renner war – sondern auch in ganz Asien. Es wurde auch so erfolgreich, dass japanische Artisten begannen den Zeichenstil des Japan Punch zu übernehmen.

Ähnlich wie die damaligen Toba-e-Zeichnungen, bekamen die Werke von Charles Wirgman eine eigene Bezeichnung. Man nannte sie in Anlehnung auf die britische Version des Satire-Magazin ponchi-e oder auch Punch Pictures. Mittlerweile hat Charles Wirgman sich einen angesehenen Ruf erarbeitet: Er war hoch angesehen unter seinen Mitarbeitern aber auch Schülern. Er galt schließlich als Mentor für viele japanische Schüler. Er verbrachte sein restliches Leben in Yokohama und heiratete eine Japanerin.

Georges Bigot TobaeZur damaligen Zeit war Japan Punch nicht das einzige Satire-Magazin mit Zeichnungen, welches erschien. Im Jahre 1887 veröffentlichte ein französischer Journalist Georges Bigot eine weitere Satire-Zeitschrift. Um den damaligen Toba Sōjō (siehe erster Teil) zu ehren, nannte der Franzose sein neues Magazin Tôbaé. Hier waren häufig Illustrationen des japanischen Alltag vorzufinden, jedoch aber auch von hohen japanischen Persönlichkeiten, wodurch er sich häufig Ärger einbrachte. Auch seine Illustrationen trugen wie auch die von Charles Wirgman dazu bei, dass der westlich-gehaltene Zeichenstil in Japan immer bekannter wurde.

Die oben erwähnten Satire-Zeitschriften waren natürlich nicht die einzigen. Diese bildeten lediglich die Basis für weitere Werke, die in Japan veröffentlicht wurden und somit auch die Basis für heutigen Manga-Magazine. Es wurden neue Wege und Möglichkeiten gefunden, Illustrationen und Karikaturen zu veröffentlichen. Schon sehr bald erschaffte man auch das erste Magazin und eine Comic-Reihe, welche an heutige Manga-Magazine relativ nahe ran kamen. Vor der Gründung eines eigenen Magazins, arbeitete Gergoes Bigot als Illustrator bei anderen Zeitschriften.

Geschichte des Manga - Teil 3 - Die ersten Zeitschriften

Erste Cartoon Manga Magazin in JapanMüsste man auf der Suche sein nach dem ersten Manga-Magazin, sollte man in die Jahre zwischen 1874 und 1884 reisen. Der Urvater aller Cartoon-Magazine wurde zu dieser Zeit geboren. Die sogenannte Cartoon-Zeitschrift Eshinbun Nipponchi, die 1874 erschienen war, war die erste und “echte” Cartoon-Zeitschrift. Doch obwohl der Stil sich an den Japan Punch hällt, besaß sie keine echten Merkmale. Die wohl erste Comic-Zeitschrift und wahrscheinlich das erste “Manga-Magazin” schaffte man leider nach gerade mal drei Auflagen wieder ab. Doch dass Eshinbun Nipponchi war nicht die einzige Cartoon-Zeitschrift seiner Zeit. Denn gerade mal ein Jahr später folgte das Kisho Shimbun, ein weiteres Magazin – und ein Jahr später das Marumaru Chinbun von Fumio Nomura. Viele dieser Werke waren allerdings oft keine reinen Cartoon-Zeitschriften, sondern berichteten auch über neueste Ereignisse.

In den darauffolgenden Jahren wurden weitere Zeitschriften veröffentlicht, so dass auf einmal der gesamte japanische Markt mit solchen überschwemmt wurde. Der damaligen japanischen Regierung war das allerdings nicht angenehm. Durch viele teils unverschämte Karikaturen wurden japanische Autoritäten infrage gestellt. Nomura war einer der Leidtragenden, der mehrmals verhaftet wurde. Dadurch dass die japanische Spitze alles andere als erfreut war, verbannten sie oft mehrere Ausgaben diverser Magazine. Dies hielt jedoch andere Herausgeber solcher Zeitschriften nicht davon ab, weiter zu drucken oder neue zu erschaffen.

All diese Schriften hatten alle eine Gemeinsamkeit. Sie auszudrucken blieb ohne Folgen. Doch die Beliebtheit unter den Ausländern und auch unter Japanern war nicht unentdeckt. Viele Zeitschriften richteten sich eindeutig an Erwachsene und reflektierten lediglich politische Ereignisse. Ausländer lasen sie – oder eben jene Japaner. Was also wenige Jahre später folgte, war ein Historisches Ereignis für die Geschichte des Mangas. Wir schreiben also das Jahr 1895.

Das erste je registrierte Magazin für Jugendliche wurde im Jahr 1895 auf den Markt gekommen. Der Publisher Hakubunkan spezialisierte sich ursprünglich auf Jugendliteratur, veröffentlichte jedoch das erste jemals registrierte Jugendmagazin. Dieses nannte sich Shonen Sekai und bedeutete übersetzt “Jugendwelt”. Zielgruppe dieser Magazine, welche bis zum Jahre 1914 veröffentlicht wurden, war hauptsächlich die männliche Gesellschaft. Das Magazin bestand aus vielerlei Inhalte. Neben der japanischen Geschichte fand man auch Cartoons und Artikel über andere Länder der Welt wieder. Hakubunkan veröffentlichte später auch sogenannte Gooddies, wie etwa Sammelkarten oder aber auch ganze übersetzte Kinderbücher aus der Westlichen Welt.

Doch nicht nur Jungs bekamen ihre eigene Zeitschrift. Später erschien ebenfalls unter dem selben Publisher im Jahre 1906 das sogenannte Shōjo Sekai, welches auf Mädchen ausgerichtet war. Das Magazin wurde noch bis zum Jahre 1931 veröffentlicht.

Jungsmagazin Shōnen Sekai Links, Mädchenmagazin Shōjo Sekai Rechts

Obwohl die Magazine für Kinder ausgerichtet waren, zeigten viele Zeitschriften jedoch einige patriotische Vorzüge des eigenen Landes. Grund hierfür war der Japanisch-Russische Krieg in den Jahren 1904 bis 1905, in welchem das russische Kaiserreiches sich gegen das japanische Kaiserreich nach zahlreichen Verlusten geschlagen geben musste. Nur unter dem Eingreifen des US-Präsidenten Theodore Roseveelt konnten weitere Verluste auf russischer Seite verhindert werden. Im Hintergrund ging es um Territorial-Ansprüche im Kaiserreich Korea, später in Kaiserreich China und Kaiserreich Russland. Japan fing somit an, nach außen eine aggressive Expansionspolitik zu betreiben.

Russisch-Japanische Krieg 1904-1905
Russisch-Japanischer Krieg 1904-1905

Der Stolz auf das japanische Land und das eigene Selbstbewusstsein wurde dadurch bestärkt. Japan galt als das erste Land, welches ein europäisches Großreich besiegte. Das zeigte sich oft auf verschiedenen Magazinen, in der auch Kinderzeitschriften nicht verschont geblieben waren. Dies wird in der Geschichte des Mangas noch eine Rolle spielen, die wir später genauer aufzeigen werden.

Dass damalige Zeitschriften, heutigen Manga-Magazinen und -büchern immer näher kommen zeigten die ersten Illustrationen, die erstmalig echte Textkästen für die Bildbeschreibung verwendeten. Nur kurze Zeit später kam dieser neu Stil immer häufiger vor. Bis an jenem Tag der “erste echte Comic” und somit der Vater aller Mangas “geboren” wurde.

Wir schreiben das Jahr 1902. Ein japanischer Artist und politischer Zeichner arbeitete bei einem ausländischen Unternehmen, welches er jedoch aufgrund seiner patriotischen Sichtweise wieder verließ. Der Artist, der sich Rakuten Kitazawa nannte, trat der Jiji Shinpo-Zeitschrift bei und veröffentlichte erstmalig einen Comic, der als der erste Manga definiert wurde.

Links: Erster Comic von Kitazawa mit “Bauerntölpel” – Rechts: Miss Haneko Tonda (Bildquelle)

Der Comic “Tagosaku to Mokube no Tōkyō Kembutsu” lag als Beiheft dabei und es ging um zwei Bauerntölpel, die erstmalig eine Metropole besuchten. Es besaß dabei die typische Trennlinien und Auffälligkeiten, die auch heutige Mangas hatten – nur ein wenig schlichter. Jedoch ebnete das dem “ersten Manga” den Weg für spätere Comics.

Der Begriff “Manga” wurde übrigens nicht nur erschaffen – sondern in dem Kontext auch erstmalig korrekt verwendet. Betrachtet man den Comic genauer, könnte man im Hintergrund mit den zwei Bauerntölpeln tatsächlich ins schmunzeln kommen, ohne die Übersetzung gelesen zu haben.

Was daraufhin folgte, war jedoch eine Sensation. Der sogenannte Tōkyō Puck wurde gegründet – die erste Satire-Zeitschrift in Farbe. Darunter wurden Persönlichkeiten wie Hekoten Shimokawa von Kitazawa gelehrt. Anime-Fans, die sich nun mit der Geschichte des Animes beschäftigt haben, werden den Namen sicherlich wiedererkannt haben: Er war jene Person, welche den ersten Anime-Film (in Japan) aller Zeiten produzierte und galt auch als Pionier hinsichtlich der Animationstechniken, die wir an dieser Stelle kurz anschneiden wollen. Kitazawa gründete später eine Schule für junge Artisten, Künstler und Comic-Zeichner und verstarb 1955.

Das Tokyo Puck (Tōkyō Puck) wurde ordentlichen Popularität, so sehr, dass auch weitere Zeitschriften folgten. Eine dieser Zeitschriften war beispielsweise das Kodomo no Tomo.

Diese und viele weitere Zeitschriften kombinierten den westlichen Stile und den zu dieser Zeit Modernen Manga und erschuf einige interessante Mangas, welche den heutigen Mangas bereits nahe kamen. Einer dieser Comics, welcher die wesentlichen Merkmale des heutigen Mangas trägt, war der 13-Seitige Comic namens Shôchan no bôken (Shochan no Boken), die Abenteuergeschichten von Sho-Chan. Die Geschichte wurde von Kabashima Katsuichi und Oda Shôsei veröffentlicht.

Dies war allerdings nur eines von vielen Beispielen, für die nachfolgenden Comics welche beide Stile kombinierten. Anfang des neuen Jahrhunderts gab es einen regelrechten “Manga-Boom” in Japan. Die Zeit erschuf auch vollkommen neue Persönlichkeiten – darunter auch Takeo Takei – einer der einflussreichsten Künstler des neuen Jahrhundert. Er war für seine hohe Qualität seiner Zeichnungen berüchtigt. Heute weiß man, dass seine Werke, den mit Abstand stärksten Einfluss auf die Entwicklung des Mangas und weitere Illustrationen hatte.

Der erste “Comic” Sho-Chans Abenteuer, welcher den japanischen und westlichen Stil kombinierte, 1924 (Bildquelle):

The Adventures of Little Sho (Shochan no Boken)

Jedoch fingen die Probleme nun erst an. Um genau zu sein war Japan von diversen Problemen betroffen, wie etwa das große Erdbeben. 1923 gab es in Japan das sogenannte “Große Kantō-Erdbeben”. Die Folgen des Beben war so verheerend, dass ganze Landstriche zerstört wurden. Insgesamt sind 142.800 Menschen gestorben. Die größte Katastrophe in der Geschichte von Japan. Doch war es nicht die Einzige dem das Land gegensteuerte.

Die immer weiter anhaltende politische Spannungen außerhalb des Landes und der immer größer werdenden patriotischen Züge, nahm auch in diversen Mangas langsam Überhand. Denn das seit 1929 wirtschaftlich angeschlagene Japan, sah wie einige andere Länder nur eine Lösung: Die Bestrebungen ihrer Expansionspolitik und Kampf um Rohstoffe auf ein neues Level zu bringen. 1931 marschierten japanischen Truppen in das Chinesische Territorium und besetzten das Gebiet. Die Stimmung zwischen beiden Ländern heizte sich daraufhin immer weiter an. Japanische Zeitschriften und aber auch Mangas nahmen immer weiter die Pro-Militärischen Haltung an und es entstanden neue Mangas, die im Land beliebt – wenn nicht sogar zum Teil auch “gefördert” wurden.

Geschichte des Manga - Teil 5 - Die Kriegspropaganda und Einfluss des Manga

Bereits in den 30er Jahren wuchs die Zahl der Mangas, die auf irgendeine Weise mit dem japanischen Militär oder dem Patriotismus zu tun hatte. Auch nach dem Vorfall zwischen China und Japan, wuchs zugleich die militärische und nationalistische Haltung in der japanischen Bevölkerung.

Zu dieser Zeit erschaffte der Manga-Artist Suihō Tagawa eine neue Manga-Figur namens Norakuro. Ein Hund, welcher dem japanischen Militär beigetreten ist – allerdings nur, um an warmes Essen zu gelangen und einen Platz zum schlafen zu haben. Norakuro erfreute sich äußerster Beliebtheit im Jahre 1931 und gehörte zu dieser Zeit schließlich zu den am längsten laufenden Mangas, da diese bereits bis 1981 weiter erschien. Erstmalig trat Norakuro in dem Shonen Club Magazine auf. Tagawa gewann durch seine Werke viele Awards.

Norakuro wurde durch die Werke von Toba Sojo (siehe Teil 1) inspiriert. Allerdings floßen auch Tagawas persönliche Erfahrung mit ein, da er selbst drei Jahre im japanischen Militär war.

NorakuroComic ‘Norakuro’ © Fair Use ‘Geschichte des Mangas’

Jedoch war Norakuro zu der Zeit nicht der einzige relativ beliebte Manga. Gajō Sakamoto, Cartoonist bei Chugai Shogyo Shimpo (dem heutigen Nihon Keizai Shimbun oder auch NIKKEI), wollte ein neuen Superhelden. Gajo Sakamoto Tank TankuroEin Roboter, der sich in alles verwandeln kann und viele verschiedene Waffen trug, wurde ebenso wie Norakuro erfolgreich.

Der Name der neuen Figur war Tank Tankuro. Viele junge Japaner sehnten sich nach einem Vorbild. Ein Roboter war etwas völlig neuartiges – der alles konnte. Sie prägten junge Japaner und Autoren, die später auf erfolgreiche und bekannte Anime- und Manga-Serien wie etwa Doraemon Einfluss hatten. Merchandise waren rund um die neue Manga-Figur ebenso erfolgreich.

Japanische bekannte Persönlichkeiten tauschten sich in diversen Zeitschriften für junge Manga-Künstler aus.

Es wurden ihnen verschiedene Techniken beigebracht wie beispielsweise die Handhabung von Sprechblasen – aber auch ausländische Comics gezeigt – allen voran deutsche Zeichnungen, die auf nachfolgenden Manga-Entwicklung gewissen Einfluss ausüben könnten. Das führte dazu, dass viele japanische Persönlichkeiten ihr Einsatzgebiet auf Comics für Kinder wechselten.

Die japanische Regierung sah das Potenzial dieser Mangas und nutzte sie entsprechend aus. Die oben erwähnten Serien waren nur eine Auswahl der vielen, die später auch auf Druck der japanischen Regierung angeordnet wurden. So musste gezielt Propaganda gezeichnet werden – völlig egal ob für Kinder oder Erwachsene. Während nun Japan gegen diverse Länder und aber auch gegen China in den Krieg zog, wurde auch eine der bekanntesten Disney-Figuren ohne Rücksicht auf das Urheberrecht miteinbezogen: Mickey Mouse! Berühmte Disney-Figuren mussten als Manga-Figuren hinhalten und von einheimischen japanischen Superhelden besiegt werden.

Norakuro Manga PropagandaDie Mangas wurden hierbei als eine Art Botschafts-Übermittler aus dem Krieg genutzt. Schlachten, die das japanische Kaiserreich gewann, wurden so in den Mangas entsprechend dargestellt. Auch bei Verluste wurde das so umschrieben, dass die Helden ehrenhaft für das Kaiserreich gestorben sind. Viele Mangas, vor allem auch die bekanntesten wie etwa Norakuro, nahmen dabei immer extremere Formen an.

Vor allem dadurch, dass die japanische Regierung alles andere verboten hatte und jede Publikationen von Mangas und Nachrichtenartikeln ganz genau kontrollierten. Zu dieser Zeit waren Mangas im Prinzip nichts anderes als ein Mittel zum Zweck – die Glorifizierung des japanischen Militärs.

Durch den Angriff der Japaner auf den US-Amerikanisch wichtigsten Pazifik-Stützpunkt Pearl Harbor 1941, verschärfte sich die Situation des ganzen bis zur Spitze. Die japanische Armee war zuversichtlich, den Krieg gegen das eher unerfahrenen US-Militär im Pazifik-krieg zu gewinnen. Doch durch Verkettung von diversen Zufällen und aber auch der hohen Konzentration der US-Industrie, die auf den Krieg fixiert war, wendete der Krieg sich plötzlich gegen das japanische Kaiserreich.

Jedoch waren auch zu der Zeit bekannte japanische Persönlichkeiten und Zeichner übergelaufen und erschafften Zeichnungen, die die japanische Moral senken sollten. Eine dieser Persönlichkeiten war der Japaner Taro Yashima und seine Frau, die damals noch von der japanischen Regierung verhaftet wurden. Er wanderte schließlich aus Japan aus und musste seinen Sohn in Japan zurücklassen. Als er von dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor erfuhr – trat er dem US-Amerikanischen Militär bei. Er war eingestellt bei dem Office of Strategic Services (OSS) und zeichnete zur Senkung der Moral von japanischen Soldaten Propaganda. Nach Kriegsende erfuhr man tatsächlich, dass in den Taschen einiger vestorbener japanischer Soldaten jene Propaganda von Taro Yashimi vom US-Militär gegen das japanische Kaiserreich bei sich trugen und ihre Moral dadurch vermutlich sank.

Kurz vor Ende des Krieges wurden Manga-Publikationen und dergleichen vollständig verboten, da das Papier immer wichtiger wurde. Japan verlor jedoch den Krieg. Millionen Menschen standen schließlich vor dem Nichts und der nationale Stolz war gebrochen.

Geschichte des Manga - Teil 6 - Nachkriegszeit und die Entwicklung der Anime und Manga-Industrie

Japan ist traumatisiert. Nicht nur die Niederlage, sondern auch mit der sofortigen Vernichtung von zwei japanischen Städten hinterließ Japan tiefe Wunden in ihrem Nationalen Stolz, aber auch die Enttäuschung selbst, brachte das Land in einen degenerierten Zustand. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges, führte die US-Armee allerdings eine Rehabilitation in das Land. Der US-Amerikaner Douglas A. MacArthur führte mit der US-Besetzungsmacht diverse Maßnahmen durch. Diese waren weitreichende Reformen für das japanische Militär, die Politik, der Wirtschaft sowie eine flächendeckende Sozialreform.

Nichtsdestotrotz waren die US-Behörden vor Ort sehr streng – warum auch nicht – und kontrollierten viele Publikationen. So waren auch Zensuren an der Tagesordnung neben dem in einigen Ortsteilen katastrophalen Zuständen, an denen Nahrungsmittelknappheit herrschte. Besonders betroffen waren die Kinder, die mitten in der Nachkriegszeit aufwuchsen. Für teure Beschäftigungen hatten sie natürlich wenig Geld. Doch Comics bzw. Mangas lesen, die zu der Zeit veröffentlicht wurden, lenkte sie von der harten Realität ab.

Inmitten der Situation befand sich ein Japaner, der in diversen Wikipedia-Artikeln und Foren auch als der sogenannten “Manga-Gott” bezeichnet wurde. Ein Japaner, der die Manga- und Anime-Industrie maßgeblich beeinflusste und viele heute bekannte Mangaka und Anime-Produzenten inspirierte, in der Zeit ermutigte und später auch lehrte. Er hieß Osamu Tezuka und war zu der Zeit 17 Jahre alt, als sein erstes Manga-Werk Mā-chan no Nikkichō bei der Mainichi Shokokumin Shinbun-Kinderzeitung im Jahre 1946 veröffentlicht wurde. Angefangen hatte er bereits im Kindesalter, wurde jedoch während des Krieges eingeschüchtert und musste mit dem Zeichnen aufhören. Wie auch viele andere in seinem Alter, wurde er zum Soldaten ausgebildet und musste in einer Waffenfabrik bei der Produktion helfen. Erst mit dem Ende des Krieges fing er wieder an zu Zeichnen.

Shin Takarajima Cover Osamu TezukaIn seinem ersten Manga-Werk in dem lediglich 4-Bilder-Comic – auch genannt Yonkoma, ging es um einen Jungen und seinen Freund, der seinen Alltag im besetzten Japan bewältigt. Sein Werk war erfolgreich, doch Tezuka nach nicht genug. Durch den Format und auch der Aufbau des Yonkoma-Stil war er wesentlich eingeschränkt und konnte seine Vorstellungen von einer echten Abenteuergeschichte zu erzählen und echte Emotionen einzubauen nicht umsetzen.

Shin Takarajima von Osamu Tezuka1947 wurde Tezukas erstes Werk in einer Buch-Form veröffentlicht. Der Manga Shin Takarajima (dt.: Neue Schatzinsel), basiert auf der Erzählung von Robert Louis Stevensons Schatzinsel, war sein erster kommerzieller Überraschungserfolg und verkaufte sich in Japan über 400.000 mal.

Tezukas Wille zu zeichnen und seine Geschichten weiterzuerzählen, die er schon im Kindesalter wie auch während des Krieges hatte, erfüllte sich bis zu seinem Tod im Jahre 1989. Bis dahin veröffentlichte er mehr als 700 Mangas mit einer Auflage von mehreren Millionen – wirkte in dutzenden Animationsfilmen mit, arbeitete an Romanen und zeichnete Illustrationen. Die populärsten und im Westen bekanntesten Werke waren beispielsweise Astro Boy (1952), Black Jack (1973)Ribbon no Kishi (1953) und Kimba, der weiße Löwe (1950). Vor allem Astro Boy dürfte in seinen “Lebenslauf” mit zahlreichen Anime- und Videospielumsetzungen strahlen. Ähnlich wie Tank Tankuro aus den 30ern war die Begeisterung für Science-Fiction und Roboter weiterhin groß unter den männlichen Manga-Lesern. Astro Boy gilt als Vorreiter des Mech-Genres.

Er lehrte Persönlichkeiten wie Mitsuteru Yokoyama (der Erschaffer des Giant-Robo-Genre und die Anime-Umsetzung des ersten Magical Girl-Mangas), Shōtarō Ishinomori (Erschaffer des Werkes Cyborg 009 und dem Sentai-Genre), Leiji Matsumoto (Erschaffer des Werkes Ginga Tetsudō 999 und Space Battleship Yamato), Go Nagai (Pionier des “Ecchi-Genres” der eine Kontroverse in Japan dadurch ausgelöst hatte und Erschaffer des Werkes Cutie Honey) und Katsuhiro Otomo (Erschaffer des Werkes Akira). Das sind bei weitem nicht alle, doch viele von ihnen wurden mit unterschiedlichen Mangaka-Awards ausgezeichnet oder bekamen auch Internationale Auszeichnungen wie etwa aus den Vereinigten Staaten und Frankreich.

Doch auch Keiji Nakazawa, der den Abwurf der Atombombe in Japan durch Zufall überlebte, wurde durch die späteren Publikationen von Osama Tezuka getröstet und inspiriert, Manga-Artist zu werden. Später zeichnete er seine Erinnerungen in einem Manga auf, die später eine Anime-Umsetzung bekamen und ein neues spezielles Genre erschuf. Dieses Werk wurde in dutzende Sprachen übersetzt und erhielt zahlreiche Auszeichnungen: Barfuß durch Hiroshima.

Jedoch konnten sich zu der Zeit nicht nur die Jungen zu der Zeit ablenken. Als das “erste Manga-Abenteuer” für weibliche Leser hat sich Ribon no Kishi (hierzulande: Choppy und die Prinzessin) etabliert und gilt als erste Manga-Serie im Bereich Shoujo und Abenteuer. In den Jahren sind auch weitere “weibliche Hauptprotagonisten” erstmalig in diversen Zeitschriften in Erscheinung getreten, die sich später auch wahrlich durchsetzten.

Geschichte des Manga Teil 7 Manga Industrie in Japan

Die Wirtschaftskurve Japans stieg steil nach oben. Die US-Besatzung zog sich 1952 zurück. Der “Baby-Boom” in den 40ern und 50ern trägt langsam Früchte. Japan strebte nach dem 2. Weltkrieg einen radikalen Turbo-Kapitalismus an. Viele wirtschaftliche Systematiken heute wurden auf japanischen Ideen damaliger Zeit gestützt. Japanisch-wirtschaftliche Innovationen hielten sogar im Westen Einzug, wie etwa das berühmte “Just-in-Time-Prinzip”. Japan erhob sich so als ein Land erst- und einmalig aus asiatischer Kultur mit westlicher Ausrichtung.

Ende der 50er und Anfang der 60er Jahrn wuchs die Zahl der veröffentlichten Manga-Zeitschriften immens. Große Verläge gründeten Magazine, die monatlich bis hin zu wöchentlich erschienen. Einer dieser großen Unternehmen ist beispielsweise Houbunsha, der die Weekly Manga Times veröffentlichte. Auch Kodansha, heute Kodansha Corp. veröffentlichte am 17. März 1959 erstmalig das Weekly Shonen Magazin, das auch später bekanntere Mangas veröffentlichte wie etwa Cyborg 009, Star of the Giants oder um aktuellere Beispiele zu nennen auch Love Hina und Koe no Katachi (A Silent Voice). Obwohl das Weekly Shonen Magazin für ältere Leser (Oberschüler, Studenten) ausgerichtet war, wurden auch weitere Manga-Zeitschriften für junge, ältere, weibliche und männliche Fans veröffentlicht. Später kamen auch verschiedene auf-Genre-spezialisierte Magazine hinzu.

Die Mangas waren allerdings mitte der 50er Jahre noch relativ überschaubar. Das Hauptaugenmerk der Mangas wurde auf die Erzählung und Bewältigung der Nachkriegszeit gelegt, was für die jungen Leser nicht mehr interessant war. Zugleich begannen in Japan die sozialen Unruhen. So war ein völlig neuartiger Manga-Stil von nöten, welcher unter Yoshihiro Tatsumi und Takao Saito sowie einigen anderen Künstlern den sogenannten Gekika-Stil zum leben erweckt wurde. Dieser soll sich von dem gewöhnlichen Manga deutlich abheben – den Stil US-Amerikanischer und japanischer Filme wiederspiegeln und ernstere Geschichten erzählen. Auch ihr Detailgrad war besonders ansehnlich, wobei es häufig mit Erotik und Gewalt in Verbindung gebracht wurde.

So kam es in den 60er Jahren in Japan zu einer Studentenbewegung, die besonders durch Linksradikale Organisationen die Protestmärsche organisierten (Wiki-Artikel). Ziel bzw. Gegner dieser Protestaktion war der Sicherheitsvertrag zwischen Japan und den Vereinigten Staaten (Wiki-Artikel) sowie der Koreanische Krieg (Wiki-Artikel) 1950 bis 1953, in dem die US-Amerikaner und die Sowjetunion Stellvertretend Nord- und Südkorea im gegenseitigen Kampf “ihre Seite” unterstützten. Hier spielte der sogenannte “Gekika-Stil” seine wichtige Rolle, da dieser mit der Studentenbewegung 1960 verbunden war und großen Einfluss hatte.

Takao Saito, der wie schon erwähnt Mitbegründer des “Gekika-Stil” war, zeichnete 1969 den Manga Golgo 13 und 0011 Nepoleon Solo, der im Big Comic Magazin veröffentlicht wurde. Hier ging es vorrangig um die “harte Realität” wie etwa Untergrund-Organisationen, Ausländerkriminalität und Korruption. Wieso dieses kleine Detail so wichtig ist, werden wir gleich erfahren. Denn diese Werke gelten praktisch als eines der ersten (aber nicht als das erste) Werke, die im Westen übersetzt veröffentlicht worden sind. Wann die ersten tatsächlichen Mangas in den Westen gekommen sind – so herrschen unterschiedliche Meinungen. In Form von übersetzten ausländischen Comics, die in einem Magazin erschienen sind, gilt der Le Cri Qui Tue (Wikipedia-Artikel) – ein französisches Magazin das in den Jahren 1978 bis 1981 erschien, als das erstes Unternehmen, welches Mangas von Japan übersetzt in den Westen brachte – darunter auch einige Episoden des Mangas Golgo 13. Auch in den Vereinigten Staaten gab es bereits vereinzelt in kleineren Geschäften ausländische Comics – auch wenn sich diese stark in Grenzen hielten. Als zunehmend gesichert gilt allerdings die Aussage, dass der erste vollwertig-übersetzte Manga in den Vereinigten Staaten Barefoot Gen – oder auch: Barfuß durch Hiroshima ist.

Die Vielzahl der Genres wuchs weiter an – der Manga Kyojin no Hoshin von 1968 galt als der erste erfolgreichste Manga des Sport-Genre und im Weekly Shonen Magazin bis 1971 veröffentlicht wurde. Wenn wir jedoch bei der Etablierung von Sport und Untergrund-Organisationen sind – so erschien 1968 von Go Nagai der erste Erotik-Manga – oder kurz gesagt auch der erste Hentai-Manga. Mit dem Titel Harenchi Gakuen (steht für “Scandalous School), der 1968 erschien, gingen Eltern auf die Barrikaden – selbstverständlich ohne ihre Kinder, da diese Werke unter den Teenagern beliebt wurden. Go Nagai setzte natürlich noch einen drauf und veröffentlichte einige Jahre später weitere Erotik-Mangas. Habt ihr euch den Bereich “Nachkriegszeit” genauer durchgelesen, werdet ihr feststellen dass viele der erwähnten Persönlichkeiten in diesen Jahren ihr Debut feierten. Vom “Giant-Robot”-Genre bis später zum Magical-Girl Genre, Ecchi und vielen mehr. Nur wenige Jahre später, in dem das sogenannte “Samurai-Genre” im Trend lag, wurden auch Mangas dieser Art in den Vereinigten Staaten lokalisiert. Die Manga-Industrie im Ausland fing so langsam an, ihre ersten Zahnräder zu drehen. Animes, die auch später lokalisiert wurden, trugen später ebenso langsam zur Bekanntheit des Mangas bei.

Die “Manga-Ära” beginnt – Ab den 70er Jahren

Der letzte Teil des Abschnitts befasst sich mit einigen Manga-Werken, die heute eine ziemliche Popularität genießen oder für die letzten Jahre der “Geschichte” von besonderer bedeutung sind.

Saraba Chikyuu yo Tabidatsu Fune wa – Uchuusenkan – Ya-Ma-To!

Space Battleship Yamato

An was erinnert euch der oben geschriebene Satz? Ältere Manga- und Anime-Fans werden diesen sicherlich wiedererkennen. Die 70er und 80er bis hin zu den 90ern und der Jahrtausendwende galten als die ganz besonderen Jahre. Werke wurden veröffentlicht, welche die heutigen Anime- und Manga-Fans maßgeblich prägten. Wie man es vielleicht aus dem Satz entnehmen könnte – handelt es sich um einen der erfolgreichsten Anime- und Manga-Serie – Gründer des neuen Genre “Space” – und “Star Wars” für Anime- und Manga-Fans – nicht nur in Japan, sondern auch in den Vereinigten Staaten. Hier ist von Uchu Senkan Yamato – oder auch Space Battleship Yamato die Rede.

Akira Manga 1984

Der Stolz der japanischen Marine – die Yamato (Wikipedia-Artikel) – bekam so ihre Wiederkehr als Raumschiff. Unzählige Fans durften sich darauf – auf etwas völlig neuartiges – freuen (Opening aus den 70er). Als Randnotiz wäre zu vermerken, dass der Anime auch für einige kontroverse Diskussionen in Japan gesorgt hat. Hierbei geht es um die Glorifizierung des japanischen Militärs, dessen Ursprung jedoch meist aus dem liberalen (bitte nicht gleichsetzen mit dem “deutschen Liberalismus”) stammt.

Ein weiterer sehr populärer Manga, der 1982 veröffentlicht wurde ist ein Werk von Katsuhiro Otomo, die heute unter den Namen AKIRA bekannt. Die Geschichte spielt in einem Postapokalyptischen Tokio.

Elemente wie etwa aus dem Cyberpunk-Genre spielen hier eine wesentliche Rolle. Zunächst erschien der Manga im japanischen Weekly Young Magazin 1982. Die Besonderheit bei diesem Manga ist allerdings auch, dass er zu einer der ersten (nicht dem ersten!) Mangas in vollständiger Übersetzung gehörte, welcher in den Vereinigten Staaten unter Marvel Comics veröffentlicht wurde. Eine besondere Rolle des Cyberpunk- und Science-Fiction-Genre spielte auch in der später veröffentlichten Manga-Reihe Ghost in the Shell 1989, die erstmalig im Young Magazin 1989 erschienen ist.

Die Erfolgswelle von Akira war jedoch phänomenal. Als der Anime 1988 veröffentlicht wurde, kam er besonders International sehr gut an. Akira gilt als die Anime Umsetzung, die maßgeblich dafür verantwortlich war, dass im Westen das Interesse für Animes und Mangas explosionsartig wuchs.Anime Anime Film 1988

Durch diverse Veranstaltungen, wie daie neu hinzugekommene Comiket mit dem Ziel, Mangas bekannter zu machen, war ebenso ein voller Erfolg. Damals 1975 noch ein kleiner Markt für Dojinshi-Werke mit 600 Besuchern und gerade mal 32 Verkaufsständen, bot die Comiket 2012 insgesamt 35.000 Verkaufsstände und eine halbe Million Besucher.

Bei den sogenannten Dojinshi-Werken handelt es sich um von Fans erstellte Manga-Bücher, die meist auch an eine echte Manga-Reihe angelehnt sind. In diesen „Fan-Werken“ kreieren diese so neue Handlungen rund um den Charakter. Es lässt sich jedoch kaum bestreiten, dass einem wesentlichen Teil dieser Fan-Werke oft auch erotische Elemente hinzugefügt werden – meist dem Genre Yaoi oder Yuri. Doch auch viele eigenständige Werke – inzwischen auch selbst-kreierte Computerspiele und Merchandise finden sich in den Verkaufsständen.

Viele dieser Dojinshi-Werke werden in speziellen Messen – darunter auch in der oben erwähnten Comiket-Messe kommerziell verkauft. Obwohl hierbei oft ein Urheberrechts-Bruch begangen wird, wird dieser seitens Verlag jedoch stillschweigend toleriert. Durch sogenannte Dojinshi-Werken können Künstler auf sich aufmerksam machen – wie beispielsweise CLAMP, die durch ihre Werke erst dadurch bekannt wurde und später die Manga-Serie und den Erfolgshit Card Captor Sakura 1996 veröffentlicht hat.

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung der Akira-Manga-Reihe wurde ein Manga mit Millionen von Fans veröffentlicht – Millionen Verkäufe an Manga-Bändern, hunderte Anime-Episoden und zahlreiche Anime-Filme wurden umgesetzt – und besonders deutschen Fans die in den 90ern geboren sind bis heute prägen. Vielleicht könnt ihr euch das schon denken, um welche Manga-Reihe es sich hierbei handelt. Doch von Anfang an: 1980 wurde die Reihe Dr. Slump veröffentlicht. Dessen Erschaffer mit dem Namen Akira Toriyama erhielt 1982 hierfür den 27. Shōgakukan-Manga-Preis in der Kategorie – eine besondere Auszeichnungen für besondere Mangas. Laut Toriyama selbst war er von Anfang an leidenschaftlicher Zeichner. Mit der  Veröffentlichung der Disney-Filme, besonders von 101 Dalmatiner, beschloss er mit dem Zeichnen zu beginnen. Mit Erfolg. Vor Dr. Slump war er allerdings ebenso wenig ein Unbekannter. Im Weekly Shonen Jump 1978 veröffentlichte er seinen ersten Manga The Wonderisland – nur um im nachfolgenden Jahr seinen Erfolg mit Dr. Slump noch einmal eins daraufzusetzen. Doch Dr. Slump war nicht der einzige Manga, mit dem er so großen Erfolg feierte.

Dragonball Geschichte Akira Toriyama

Von 1984 bis 1995 veröffentlichte Akira Toriyama die Manga-Serie “Dragonball”, die insgesamt 42 Manga-Bücher umfasst und heute auf Platz 2 der erfolgreichsten Manga-Serien aller Zeiten steht. Erstmalig erschienen ist Dragonball beim Weekly Shonen Jump. Toppen konnte dies lediglich nur noch die Manga-Reihe von One Piece.

Insgesamt 156 Millionen Kopien wurden so an die Fan gebracht. One Piece erreichte hier insgesamt 360 Millionen verkaufte Kopien. Heute ist Dragonball ebenso eine der erfolgreichen Franchise-Marken. Erst kürzlich wurde die Geschichte von Dragonball mit Dragonball Super umgesetzt und erhält schon Ende 2018 einen weiteren Film.

Doch die Zeit brachte nicht nur Kult-Mangas auf die Welt – sondern es bildeten sich auch die ersten Reihen, wo sich heute die typischen Klischees und Memes darauf stürzen. Den sogenannten und berüchtigsten “Tentakel-Hentai” dürfte für viele sicherlich ein Begriff sein. Aber woher stammt dies und warum prägte dieses spezielle “Unter-Genre” noch heute viele Erotik-Mangas? Dieses sogenannte “Tentakel-Hentai-Genre” stammt tatsächlich aus dem Jahre 1986 – wenn auch indirekt. Der Manga Urotsukidōji von Toshio Maeda, der auf viele Widerstände im Westen gestoßen ist und von dem auch der Begriff “Tentakel-Hentai” erst stammte. Auch eine Anime-Umsetzung erschien – wobei die britische Version aufgrund der sehr strengen Zensur-Gesetzen so massiv verändert wurde, dass die Version gar keinen Sinn mehr machte. Aufgrund der Anime-Umsetzung kam die Anime und Manga-Kultur erstmalig in ein negatives Bild.

20th Centure Fox veröffentlichte einen Trailer für die kommende Manga-Umsetzung Battle Angel: Alita. Wenngleich der Trailer etwas für Verwirrung gesorgt hat, wurde sie überaus positiv von den Fans angenommen. Da kann schon fast von einer Besonderheit gesprochen werden, da Manga- und Anime-Umsetzungen in echten (Hollywood-)Filmen oft nicht gut bei den Fans ankommen – und auch bei Kritiken. Alita: Battle Angel ist da allerdings eine Ausnahme. Die Macher hinter dem neuen kommenden Film nahmen sich ihre Original-Vorlage sehr zu Herzen, die 1990 viele Leser in ihren Bann zog. Der Manga Battle Angel Elite von Yukito Kishiro erschien 1991, ähnlich wie Ghost in the Shell und Akira, in dem das Cyberpunk-Genre zu der Zeit eine äußerste Beliebtheit erfahren durfte. Yukito Kishiro erhielt damals den sogenannten “Nachwuchs” Award des Shogakukan-Verlags. Die Erstpublikation von Battle Angel Alita, ursprünglich jedoch Gally Alita, fand im Business Jump der von 1985 bis 2011 in Japan veröffentlicht wurde und hauptsächlich an junge berufstätige Leser gerichtet war seinen Platz.

Um beim Cyberpunk-Genre in den 90er Jahren zu bleiben, erschien kurzerhand später wie oben erwähnt die Manga-Reihe “Ghost in the Shell”. Das Science-Fiction-Trio “Akira”, “Battle Angel Alita” und “Ghost in the Shell” scheinen nun vollkommen perfekt zu sein. Wenn auch Ghost in the Shell gut ankam bei den japanischen Fans, erfuhr er gerade International 1995 eine explosionsartige Popularität. Dutzendes Franchise zur Manga-Serie wurde veröffentlicht – und trug zur Bekanntheit der japanischen Anime- und Manga-Kultur im Westen auf eine extreme Weise bei. Das Trio (wie oben erwähnt) schaffte also die Anime und Manga, wie auch die japanische Kultur so in den Westen zu bringen. Eine weitere Produktion dürften ebenso viele ältere Anime-Fans kennen, den wir an dieser Stelle kurz anschneiden. Hierbei handelt es sich um Neon Genesis Evangelion, die 1995 ebenso als eine erfolgreiche Anime-Serie bekannt wurde.

Die 90er Jahren war eine besonders tolle Zeit für die Manga-Industrie. Erstmalig wurden auch Zeichner aus dem Westen angeheuert, für japanischen Verlage zu zeichnen. Die Zahl der veröffentlichten Animes und Mangas im Westen stiegen rasant an. Die Zahl der Jugendzeitschriften für Animes und Mangas stiegen ebenso an. Eines davon war beispielsweise das Anime UK Magazine, was auch international verkauft wurde. Sie erschien 1991 bis 1996 und beschäftigte sich ausschließlich mit der japanischen Anime-Kultur.

1994 wurde schließlich ein weiterer populärer Manga “geboren”. Im Weekly Shonen Sunday von Gosho Aoyama veröffentlicht, erschien Meitantei Konan, oder auch Meisterdetektiv Conan, hierzulande bekannt unter den Namen Detektiv Conan.

Auch weitere Werke wurden erstmalig in den 90ern gezeigt, die auch heute zu den beliebtesten klassischen Werken gehören – darunter Card Captor Sakura, die erstmalig im Nakayoshi Magazin von 1996 bis 2000 erschienen ist. Das Nakayoshi-Magazin erscheint unter dem Kodansha-Verlag seit 1954 und richtet sich besonders auf junge Mädchen im Grund- und Mittelschulalter. Card Captor Sakura trug besonders zum Erfolg des Manga-Magazins bei. Laut einer Umfrage sind 65 % der Leserinnen Grundschülerinnen – die restlichen 35 % Mittelschülerinnen. Das besondere an der Manga-Reihe war, dass sie bestimmte Themen vorrangig mit viel Respekt behandelten – wie etwa verbotene Liebschaften oder mit Minderheiten. Ein Manga mit Vorbildfunktion für junge Mädchen.

Nur ein Jahr später erschienen gleich zwei populäre Manga-Reihen. Eine davon war One Piece, dessen Autor Eiichirō Oda sich unter anderem von Dragonball inspirieren lies. Auch als Kind schaute sich der Autor die TV-Serie “Vicky”, welche ihm gerade aus deiesem Grund auf “Piraten” brachte bzw. sein Interesse hierfür erblühte. 1997 erschien One Piece erstmalig im Weekly Shonen Jump – im gleichen Jahr Naruto. Beide Titel kämpften praktisch um die jungen japanischen Leser. One Piece zählt heute mit 360 Millionen Kopien zum erfolgreichsten Manga aller Zeiten.

Es sollte natürlich nicht die einzigen populären Werke des Weekly Shonen Jump sein. 2001 erschien eine weitere auch International erfolgreiche Manga-Reihe, die auch ihre eigene Anime-Umsetzung erhielt. Hier ist von “Bleach” die Rede. Die Manga-Reihe wurde bis 2016 veröffentlicht und sollte an den Erfolg von Dragonball anknüpfen. Die Anime-Umsetzung erschien 2004. Dragonball-Schöpfer Akira Toriyama lobte Tite Kubo, den Schöpfer von Bleach.

Nur zwei Jahre später erschien schließlich eine eher finstere Manga-Reihe, in der es um Mystery- und das Detektiv-Genre geht. Mit der Kombination aus diesen und der Einbeziehung der bitteren Realität und Kriminalität in Japan, erschufen schließlich Tsugumi Oba und Takeshi Obata die Manga-Reihe Death Note. Die Reihe erhielt ihre eigene Anime-Umsetzung sowie ihre Live-Action-Version, die nicht jedem Anime bzw. Manga vorbehalten ist. Eine weitere jedoch erschütternde Nachricht und somit einen weiteren Schub an Bekanntheit der Manga-Umsetzung erhielt Death Note, als China diesen verboten hatte. Auslöser war, dass Chinesische Studenten sich einen Scherz gemacht haben, auf ihre Notizbücher die Aufschrift “Death Note” hinzukritzelten und diverse Namen aufschrieben.

Die Manga-Industrie in ihrer vollen Dimension

Die moderne Globalisierung war nur der erste Schritt, viele Mangas und Animes zu dieser Bekanntheit zu verhelfen. Die sogenannten “japanischen Manga-Zeitschriften”, die hierzulande eher unüblich wären (aber keinesfalls neu), boten allen japanischen Fans immer das richtige an. Insgesamt 130 Verlage veröffentlichten 265 verschiedene Manga-Zeitschriften, die entweder wöchentlich oder monatlich erschienen. Die Manga-Industrie brummt auch bis heute noch. Schnell ein Manga-Buch mit zur Schule nehmen, zur Hochschule, auf die Arbeit. Schnell das eine Kapitel lesen und wissen wollen, wie es um dem Lieblings-Helden steht. Ein zwangloses Lesen, mit dem auch viele Emotionen verbunden sind. Genre-unabhängig und ohne Einschränkungen. Eine Jugendkultur, die es auch in Zukunft weiter geben wird.

Es folgten viele weitere Mangas. Viele dieser Mangas und auch darüber hinaus zählen zu den bekannten Klassikern, die zum Teil auch heute noch laufen, beispielsweise Boruto – Naruto Next Generation oder das kürzlich erst erschienene Attack on Titan. Hierbei nehmen auch viele bekannte Mangaka – Manga-Artisten, auch ganz neue Wege und Stile. Heute sind Manga-Umsetzungen selbst von Hollywood-Helden sogar völlig normal. In jedem Buchhandel findet sich hierzulande immer irgendwo mindestens ein kleiner Bereich für Manga-Fans. Anime-Filme, besonders die von den Ghibli-Studios, sind im deutschen Fernsehen an Feiertagen eine Selbstverständlichkeit. Und das obwohl Mangas und Animes vor 20 Jahren noch wenig Bekanntheit erfuhren.

Auch wenn die Manga-Industrie manchmal von diversen Skandalen und Zuständen erschüttert wurde, wie es sich in der Anime-Industrie verhält. Oder gar die Kaufzahlen im Gesamten rückläufig werden aufgrund der rückläufigen Geburtenzahlen (diesem Thema möchten wir uns aber in einem separaten Beitrag widmen). Allerdings scheint es in Japan bezüglich der Manga-Kultur auch einen Digitalen Wandel zu geben. Für das Jahr 2017 stiegen die Umsatzzahlen von eBooks im Bereich Comics in Japan um 17,2 % auf 171,1 Milliarden Yen. Der Umsatz zu gedruckten japanischen Comics hingegen sank um ganze 14,4 % auf 166,6 Milliarden Yen. Ein historisches Tief und ein klares Zeichen, dass japanische Fans immer mehr auf eBooks umstellen. Diese Zeichen dürften bereits auch anderen Verlage bekannt sein. Der Kodansha-Verlag (Shonen Magazine) oder auch der Seisha-Verlag (Weekly Shonen Jump, Young Jump etc) bieten längst ihre Werke zum Teil auch Online an.

Wer denkt, er müsse sich aber mühevoll selbst das zeichnen beibringen, dem kann gesagt sein, dass es in Deutschland unzählige Kurse gibt, die einem mindestens das Basiswissen vom Manga-Zeichen beibringen. Zuletzt beispielsweise der zwei-tägige Workshop in der Bad-Vilbel Bibliothek. Außerdem ist es auch nicht mehr ungewöhnlich, dass viele ihrn selbst kreierten Mangas unter einem der führenden Verläge (bspw. TOKYOPOP) veröffentlichen.

Zwar gibt es heute noch diverse Klischees und Vorurteile zu Mangas und Animes – die werden auch nie vollständig verschwinden und vielleicht ist das auch nicht so wichtig. Die Manga-Fans wissen, woran sie sind und daran sollte man auch festhalten..

Die Geschichte des Manga – eine Jugendkultur.

 


Zur “Geschichte des Mangas” haben wir für euch auch einige Extra-Beiträge bzw. werden wir auch einige extra-Beiträge erstellen. Diese werden bald von uns veröffentlicht und auch hier verlinkt. Freut euch drauf. Folgt uns auf Twitter, Facebook & G+, um immer auf dem laufenden zu sein!

Weitere Verlinkungen:

  • Urheberrechtsverletzung (Dojinshi) und Illegale Downloads von Mangas [wird bald veröffentlicht]
  • Hollywood-Umsetzung – Pfui! Manga-Umsetzung – hui?  [wird bald veröffentlicht]
  • Das negative Bild von Mangas und Animes in Japan [wird bald veröffentlicht]
  • und mehr (…)

Verlinkungen und Quellenverzeichnisse

 

Gefällt dir der Beitrag? Erzähle es deinen Freunden und empfehle uns weiter!
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
1 Kommentar
älteste
neuste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments
trackback

[…] der “Geschichte des Mangas” (oder: Manga – an diese Stelle beliebig) konnte man so einige Situationen herauslesen, […]